Bei Blasenfunktionsstörungen unterscheidet man in Störungen der Harnentleerung (Blasenentleerungsstörungen) und Störungen der Speicherfunktion (Harninkontinenz). Weiter unterscheidet man in primäre und sekundäre (=symptomatische) Störungen. Primäre Störungen liegen im Bereich der Blasenmuskulatur (Detrusor) und/oder im Bereich des inneren und äußeren Blasenschließmuskels. Ursachen für sekundäre Blasenfunktionsstörungen sind Erkrankungen, degenerative Veränderungen, Unfälle, Operationen.
Urinverlust (Harninkontinenz) deutet auf eine gestörte Harnspeicherung hin. Die Deutsche Kontinenzgesellschaft (GIH) definiert vier Schweregrade der Harninkontinenz:
Formen der Inkontinenz:
Belastungsinkontinenz
Typisches Merkmal für eine Belastungsinkontinenz ist der unwillkürliche, unkontrollierte Urinabgang durch alltägliche körperliche Belastungen wie Husten, Pressen, Niesen. Urinverlust beim Gehen, Bewegen und Aufstehen sowie Urinverlust bereits im Liegen kennzeichnen höhere Schweregrade.
Die Belastungsinkontinenz ist bei Frauen häufiger als bei Männern. Ursache ist eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur, die durch Schwangerschaften und vaginale Geburten hervorgerufen werden kann. Hormonelle Umstellungen während der Wechseljahre können auch zu dieser Form der Inkontinenz führen.
Beim Mann wird die Stressinkontinenz fast immer iatrogen, d.h. durch ärztliche Eingriffe bedingt, oder traumatisch hervorgerufen. Jede Operation (z.B. an der Prostata) oder Verletzung kann den hinteren Blasenschließmuskel schädigen und den Kontinenzmechanismus beeinträchtigen.
Dranginkontinenz (Syndrom der überaktiven Blase)
Die Dranginkontinenz äußert sich mit unwiderstehlichem Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust. Der Patient spürt den Harndrang, schafft es jedoch meist nicht mehr rechtzeitig zur Toilette. Die ungewollte, nicht unterdrückbare Kontraktion der Blasenmuskulatur kann durch eine erhöhte Empfindlichkeit der Blasenwand oder durch die Instabilität des Blasenmuskels bedingt sein. Ursachen für die Störung können Harnwegsinfektionen, neurologische Erkrankungen, Tumore und Abflussbehinderungen sein.
Die Dranginkontinenz ist die häufigste Inkontinenzform bei älteren Menschen.
Mischinkontinenz
Bei der Kombination der Belastungs- und Dranginkontinenz liegt eine Überaktivität der Blase und eine Störung des Verschlusssystems vor. Beide Therapieformen werden separat behandelt.
Überlaufinkontinenz
Kommt es zu einem kontinuierlichen, tröpfchenweisen Urinverlust, spricht man von einer Überlaufinkontinenz. Der Druck in der Blase übersteigt den Druck des Blasenschließmuskels. Ursache kann z.B. eine Abflussbehinderung (Harnsteine) mit einer Überdehnung der Blase sein sowie Tumore oder Nervenschädigungen durch Diabetes. Die Blase ist ständig überfüllt und gibt ohne Dranggefühl ständig kleine Mengen Urin ab.
Männer sind von der Überlaufinkontinenz häufiger betroffen als Frauen. Gutartige Prostata-Vergrößerungen sind die häufigste Ursache für einen Blasenauslassverschluss.
Supraspinale und spinale Reflexinkontinenz
Bei dieser Form der Inkontinenz ist die Steuerung der Blasenfunktion über die Nervenbahnen unterbrochen. Ursache kann z.B. eine Querschnittslähmung sein. Betroffene Patienten verlieren das Gefühl dafür, wann die Blase voll ist und verspüren keinen Harndrang. Es kommt dadurch zu einem unwillkürlichen Abgang von Harn in unterschiedlich großen Zeitabständen.
Die supraspinale Reflexinkontinenz beruht auf einer Leistungsstörung des Gehirns. Bei der spinalen Detrusor-Hyperaktivität liegt eine Schädigung des Rückenmarks vor. Ursachen können Erkrankungen oder Verletzungen sein. Der Patient hat keine Kontrolle über die Blasen- und Schließmuskelfunktion.
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